frei nach Goethe und Reinhardt Prothmann aus dem Pr. Eylauer Kreisblatt
Bauer Griguleit reitet mit Gustav, seinem Sohn,
seit anderthalb Stunden durch 's Legatal schon.
Er war beim Doktor, das Jungche is krank,
weil er unreifes Obst gegessen und Wasser drauf trank.
Stockfinster. - Nicht Hand vor Augen zu sehn,
dem Jung wurd grüslich, das kann man verstehn!
Im Fieber bälkt er, was er bloß kann:
"Pappa, Pappa, da kommt der Erlkönig an!"
"Sei man stillche, Gustav, das kommt dir so vor,
das is man bloß Nebel vom Dimpel im Moor!"
"Aber nei doch, ich seh auch und heer ganz genau,
das ist der leibhaftige Buscherbaubau!"
"Ich weiß nich, Gustav, was heite du hast,
da ruschelt im Winde e schimmlijer Ast!"
"Nei, nei, das is doch e Mann,
sein Bart is so gries wie beim Onkel Johann!
Und hinter ihm peesen die Elfchens doch nach,
schicher se weg, brasch doll und mach Krach!
Aller sind nackigt, mit'm grienlacht'jen Schleier,
die ein Krät ähnt nach der Erna vom Stellmacher Meyer!
Die eine Marjell, die schwarzhaarje Zodder,
sie winkt mir nu zu mit'm weißseidenem Kodder."
"Gluder nech hin, sonst wirst auf der Stelle hier blind,
nuschtnich fier dich, di bist noch e Kind!"
"Na heer bloß, nu fangen zu singen se an:
Du Kleiner, komm doch auf Tuchfühlung mal ran!
Wir leben im Schlosse, bei uns kannst du bleiben,
Du brauchst nicht lernen, nicht rechnen und schreiben.
Wir spielen Greifje, auch manchmal Versteck.
Dich ärgert kein Lehrer, schmeiß die Schulbiecher weg!
Pappa, Pappa, was sagst du dazu?
Die Biester lassen mich nich mehr in Ruh!"
Der "Alte" wird prizlich, er reitet Galopp,
betuddert den Gustav und puscht ihm den Kopp.
Der Wallach schnurgelt, hebt den Zagel gen Himmel,
der Schaum macht den Rappen allmählich zum Schimmel.
Grigull erreicht seinen Hof, es is noch ganz duster,
springt ab, holt tief Luft und dann pust er.
Er grabscht vergeblich nach dem Sattel am Pferde,
kniet nieder und begrabscht auch die Erde.
Krault sich am Kopp und hinter den Ohren,
"Herrjemensch, nu hab ich dem Gustav verloren!"